Arno Bojak

Arno Bojak

Arno Bojak, „ei, Monstrum, ei“

Arno Bojak, 1974 in Wuppertal geboren, studierte von 1994-2000 Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Er war Meisterschüler bei Dieter Krieg. Seit 2001 lebt und arbeitet Arno Bojak in Berlin. Seinen großformatigen Gemälden legt der Künstler sorgfältige Beobachtungen des Zeitgeschehens und des Alltags zu Grunde. In den Gemälden des Künstlers, in denen sich Realität und Fantastik vermischen, findet der Betrachter aber auch immer wieder Bezüge zur Kunstgeschichte, zur Literatur oder auch zu den modernen visuellen Massenmedien.

Arno Bojaks farbintensiven Gemälde mit ihren rätselhaften Inhalten scheinen auf den ersten Blick grotesk, skurril oder gar absurd. In seinem Malkonzept operiert der Künstler mit Bezügen zum Comic („Der Schritt“, 2015), zum Film („O lala“, 2012) oder zum Bühnenbild. Seine Arbeit evoziert aber auch Vergleiche zum volkstümlichen Erzählstil von Märchen oder Sagen oder auch zu Kinderbuchillustrationen.

Beim Durchgang durch die Ausstellung fällt auf, dass Bojak in seine Bildern zumeist Kinder darstellt. So balanciert in seinem Bild „Schaurig ist´s übers Moor zu gehen“ (2015) eine Kindergruppe, einem zwielichtigen Führer vertrauend, in einem irrwitzigen Akt auf einem Baumstamm über ein Moor. Das Bild ist ein modernes Zitat eines Gemäldes von Pieter Bruegel d. Älteren aus dem 16. Jh. („Der Blindensturz“, 1568).

Kinderfiguren fungieren in Bojaks Werk als Archetypen. Sie stehen stellvertretend für die „Spezies Mensch“. Und die Interieurs, in die der Künstler seine Kinderfiguren hineinmalt, erscheinen in diesem Zusammenhang wie „Spielräume“, in denen Prägungen und Verletzungen stattfinden und in denen oftmals eine verstörende Atmosphäre der Aggression und der Bedrohung aufscheint. In solchen Szenen und im Tun der Kinder wird das Zwiegespaltene, Beschädigte und Zerstörte menschlicher Existenz ebenso sichtbar wie in den 2014 von Bojak gemalten Bildern entmythologisierter, verwüsteter oder verbrannter Interieurs.

Tatsächlich sind Menschenbilder das zentrale Thema des Berliner Künstlers. Bojaks einprägsame Bildschöpfungen sind voll von Spannungsmomenten. Die Bildsprache des Künstlers ist doppelbödig. Sie erscheint auf den ersten Blick als eine perfekte Illusionswelt, die keinen Bezug zur realen Welt hat. Doch hinter surrealen Verfremdungen, hinter satirisch-zynischer oder makaberer Komik lauern Abgründe. Das Thema des Sturzes in den Abgrund hat den Künstler besonders interessiert. Es ist eines der Bildmotive, die sich durch sein Œuvre zieht. Der Absturz scheint vorprogrammiert bei all den Höhenflügen und der aberwitzigen Akrobatik, die Arno Bojaks Figuren vollführen.

All diese zwielichtigen Szenerien, die absurden biomorphen Gestaltverwandlungen und die Erfahrungen von Gewalt und Aggressionen, die uns hochverdichtet in den Bildern von Arno Bojak vor Augen geführt werden können ganz unterschiedlichen Interpretationen zugeführt werden, denn Arno Bojak spannt seine Inhalte erstaunlich weit. Dennoch ist seine Kunst auch eine Wiederspiegelung unserer Zeit und der gegenwärtiger gesamtgesellschaftlichen Situation mit ihren starken Verwerfungen und Umbrüchen.

André Lindhorst, Juli 2016
Galerie KÖPPE CONTEMPORARY

Biografie

Vita

2014
Gastprofessur BTU Cottbus – Senftenberg

2002
1. Folge von »Welcome to the Paint«

2000
Akademiebrief

1999
Meisterschüler

1997
Student bei Prof. Dieter Krieg

1995
Student bei Prof. Markus Lüpertz

1994
Beginn des Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf

1974
in Wuppertal geboren

Stipendien

2005
Stiftung Kunstfonds, Bonn
Konrad Adenauer Stiftung (Else-Heiliger-Fonds), Berlin

2003
Stiftung Kulturfonds (Arbeitsstipendium)

2002
Herrenhaus Edenkoben

2000
Wilhelm-Fabry-Förderpreis der Stadt Hilden
Gaststipendium im Künstlerdorf Schöppingen

1998
Reisestipendium des Kunstvereins Düsseldorf

Ausstellungen

Einzelausstellungen (Auswahl)

2015
»Neue Mythen«, Artae Galerie, Leipzig

2014
»VIP RIP«, Raw Draw in Leipzig, Artae Galerie, Leipzig

2013
»Bild aus, Licht an & Schnipsel, die die Welt bedeuten«, artae galerie, Leipzig

2011
»Morgen letzter Tag«, Museum für junge Kunst, Packhof, Frankfurt Oder
»my body is over the ocean«, artae galerie, Leipzig
»Jutro ostatni dzien«, Galeria BWA, Zielona Gora, Polen

2010
»Bilder ohne Worte«, Kunstraum Dr. Thaler, Berlin

2009
»Grüsse aus Methamorphosika«, Komet Berlin, Berlin

2007
»ICH GROSSE GRUPPE«, Komet Berlin, Berlin

2006
»Projektgruppe Babylon«, Galerie Röhr & Ripken, Berlin
»Der Bau der Grossen Rampe«, projektraum neuenhausen, Berlin

2005
»Massaker- Die Sixtinische Kapelle des 21. Jahrhunderts«, Kunstverein

2004
»Nasse Pappe. Ein Kosmos, selbstgeklebt.«, Artae-Langmann, Jena Gästezimmer e.V., Stuttgart

2003
»Sexy Mörtel – Heimwerkerbauart«, art agents gallery, Hamburg

2002
»Nachlassversteigerung: Der Maler R.Dietrich«, Galerie Tedden, Düsseldorf
Wilhelm Fabry Museum, Hilden
»Sieg durch Routine«, Kunstverein Greven
»Weltmalerei«, Herrenhaus Edenkoben
»Bock auf Dübeln«, Galerie Tedden, Düsseldorf

2001
»Eiszeit«, R.Dietrich in Eggerode

2000
Villa de Bank, Enschede, Holland
»Untermieter«, Galerie Tedden, Düsseldorf

1998
Galerie Tedden, Düsseldorf

 Gruppenausstellung (Auswahl)

2015
»Interne Phänomene«, Alte Schule Adlershof, Berlin
»Casablanca«, Rumbalotte, Berlin
»Blind Date«, alabama sir, Leipzig
»Nocture«, Kunsthalle der Stadtsparkasse Leipzig
»AUA – Auf Und Ab im Kunstmarkt«, KUNSTHALLE am Hamburger Platz im Westwerk, Hamburg

2014
»Last in 2014, Hauptquartier«, Galerie Franzkowiak, Berlin
»viel ARBEIT_wenig ROT«, Salon Hansa, ROSALUX Berlin
»Early this morning«, Kreuzberg Pavillion, Berlin
»Sicht/Beton/Ung 9.2«, Zentralkwerk, Dresden
»XIII«, Galerie Franzkowiak, Berlin
»Super«, Salon Hansa, Berlin
»UTA«, Art Weissensee, Berlin

2013
»Sicht/Beton/Ung 8«, Friedrichstadtzentral, Dresden
»may line is my line«, Alte Schule Adlershof, Berlin
»20. Leipziger Jahresausstellung«, Leipzig

2012
»* Sag dem Ziel, es soll sich bewegen«, Alte Schule Adlershof, Berlin (mit Kata Unger und Frank Diersch)
»EHF«, Konrad Adenauer Stiftung, Berlin
»Papier« Arbeiten, Kunstsaele, Berlin

2008
»Holmes«, Komet Berlin, Berlin

2007
»Hotel Kerberos«, KIT – Kunst im Tunnel, Kunsthalle Düsseldorf
»Zündung«, Komet Berlin, (Rakete Berlin)

2005
»Familienbilder – Projektionen eines Idylls«, Konrad Adenauer Stiftung, Berlin (mit Corinna Schnitt)
»EHF«, Träger des Else-Heiliger-Fonds 2005, Konrad Adenauer Stiftung, Berlin

2004
» Der erotische Durchschnitt«, Salonlöwe, Berlin
»Die Jägerprüfung«, Galerie Tedden, Oberhausen
»Meisterwerke – wir sind doch nicht blöd«, Galerie Tedden, Düsseldorf (mit Leon Kleinbaum)

2003
Galerie Wittenbrink, München
Trendwände 2003, Düsseldorf
»Cash«, Villa de Bank, Enschede, Holland (mit Judith Samen)

2001
»Acryl auf Nessel«, art agents gallery, Hamburg (mit SvenKroner, Robert Klümpen)
»paperjam«, Museum Waldhof, Kunstverein Bielefeld
»Malerei-Anstrich«, Galerie Tedden, Düsseldorf (mit R. Klümpen)
» Millionaires and Teaddy Bears«, Galerie Klinkhammer und Metzner
»TM Malerei«, Atelier Lörick, Düsseldorf
»10 Jahre Kunstverein Solingen«, Museum Baden, Solingen

2000
»Von Chaos und Ordnung der Seele II«, Landesklinik Mainz
»Garage«, Kunstverein Oberhausen
»Teures Billig«, McKinsey & Comp., Düsseldorf (mit Robert Klümpen)
»Von Chaos und…«, Kunstbunker, Forum für zeitgenössische Kunst, Nürnberg
»Top Hits 7«, Atelier Lörick, Düsseldorf

1999
»Höhe x Breite«, Bayerische Landesbank, Luxemburg
»Nächster Halt Bahnhof Solingen Ohligs«, Kunstverein Solingen

1998
Düsseldorfer Akzente, Nordstern Versicherungs-AG, Köln
»Auf den Hund gekommen«, Galerie Tedden, Düsseldorf

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