Barbara Quandt

Barbara Quandt

Berlin Wild West

Barbara Quandt studierte bei den Professoren Karl Horst Hödicke und Hans Kuhn an der Berliner Hochschule der Künste (1970-1976). Sie wird Meisterschülerin von Karl Horst Hödicke, in dessen Malklasse auch die späteren „Neue-Wilden-Künstler“ Helmut Middendorf und Salomè studiert haben. Wie diese Künstler orientierte sich Barbara Quandt an einer von Karl Horst Hödicke angeregten, sehr dynamisch-bewegten, figurativen Malerei von expressiver Farbigkeit, in der sich Reflexionen zur Alltagskultur und autobiografische Bezüge gegenseitig durchdrangen. Die „Neuen Wilden“, wie die Protagonisten dieser neuen Malerei bald genannt wurden, bildeten in Deutschland drei Zentren aus und zwar in Berlin, Hamburg und Köln. Die Neuen Wilden mit ihrer heftigen Malerei und der Radikalität ihrer Bildästhetik standen anfangs im Kreuzfeuer der Kritik, auch weil sie extreme Erfahrungen thematisieren und ihre Malerei Konventionen des Kunstmarktes und der traditionellen Kunstwahrnehmung provokativ missachtete. Doch ihre direkten und mutigen Themen und ihre eigenwilligen Farb- und Formvorstellungen stießen schon bald auch international auf ein positives Echo.

Das Frühwerk von Barbara Quandt war noch stark von vom kritischen Realismus Hödickes beeinflusst. Ihr sozialkritisches Engagement zeigt sich beispielsweise in den existenziellen Porträts Jugendlicher sowie in den Darstellungen trister Stadtlandschaften und in Milieustudien und Motiven, die die Melancholie und Eintönigkeit des großstädtischen Alltags reflektieren. Unverblümt thematisiert die Künstlerin darüber hinaus heuchlerische Konventionen und gängige Moralvorstellungen. Einen wichtigen Themenkomplex nehmen Bilder ein, die um die Themen Körper, Sexualität und Liebe kreisen.

Zwischen 1979 und 1986  entwickelt Barbara Quandt über Mal- und Materialexperimente ihren persönlichen  und unverwechselbaren Stil. In dem sie im Spannungsfeld von Abstraktion und Figuration arbeitete, löste sie sich von der Malerei der Neuen Wilden. Auslöser ihrer vielen Mal- und Materialexperimente, die dahin führten, ist ihr New York Aufenthalt. In der amerikanischen Metropole hat sie endlich das Atelier, um auf großen Leinwänden zu arbeiten. Sie nutzt bedruckte Textilstoffe als Leinwand und trägt Farben auch aus der Sprühdose auf. Eine Vielfalt von Ausdrucksmitteln, Acryl- und Ölmalerei, Mischtechniken auf Papier, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken und auch Bühnenbilder kennzeichnet bald ihr Œuvre.

Eigene Erlebnisse, flüchtige Momente, Glücksempfindungen, Eindrücke von Reisen durch die Welt, phantastische Visionen, mischen sich in Bildern, in denen die Farbe und Form oft rauschhaft gesteigert werden. Viele Themen spiegeln Barbara Quandts Begeisterung für das pralle Leben, für die Kunst, für die Liebe, für Musik und Tanz. Ihr ästhetisches Konzept widersetzt sich mit seinem unbekümmerten Esprit jeder Einschränkung des kreativen Denkens und jedem formalen Ästhetizismus.

In Ihrer Biographie schreibt Barbara Quandt: „Meine künstlerischen Aufenthalte (u.a. London, New York, Chicago, Kalifornien, Mexiko, Buenos Aires, Afrika, Russland, Alaska) ziehen sich wie ein roter Faden durch meine Bilder.“ Doch trotz ihrer vielen Reisen und Ihrer Kontakte mit fremden Kontinenten und exotischen Völkern bleibt Berlin wichtiger Referenzpunkt für ihr Kunstschaffen. Immer wieder malt Barbara Quandt das Alltagsleben in der geteilten Stadt, die Atmosphäre in der Frontstadt des Kalten Krieges zwischen Wirklichkeit und Wahnsinn oder das sich rückhaltlose Ausleben in der Berliner Clubszene der 1970er und 1980er Jahren, die Euphorie in der Metropole nach dem Mauerfall und Berlin auf dem Weg zur Weltstadt.

Der Mensch und sein unbeständiges Leben sind die eigentlichen Grundelemente im Œuvre der Künstlerin. Durch die spezifische Sicht der Künstlerin auf Mensch und Alltag haben diese Bilder auch eine stark emotionale Wirkung auf den Betrachter – nicht nur wegen ihrer ungewöhnlichen Ästhetik, sondern auch deshalb, weil eine existentielle Tiefendimension immer spürbar bleibt.

© André Lindhorst, Galerie Villa Köppe, 2015

Biografie

Vita

1947  
In Berlin geboren

1970 – 76    
Studium an der Hochschule der bildenden Künste in Berlin bei Prof. Hans Kuhn und Prof.K.H.Hödicke

1978 – 79
DAAD-Stipendium in London an der St. Martins School of Art

1982
PS1-Stipendium in New York, Studioausstellung

1983 – 84
Künstlerhaus Bethanien, Berlin, Atelierstipendium,

1986
Tansania, Arbeitsaufenthalt , Goethe-Institut, Daressalam/Tansania

1987
Stipendium des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin

1987 – 88
Chicago Arbeitsaufenthalt

1988
Stipendium der Walter Bischoff Gallery in San Jose/CA.

1990
Buenos Aires Arbeitsaufenthalt

1992
Madrid, Arbeitsaufenthalt

1996
Stipendium Artifice in Apt/Frankreich

1997
Alaska, Arbeitsaufenthalt

Barbara Quandt lebt und arbeitet in Berlin und Lehnitz

Ausstellungen

Einzelaustellung 

2012
Chicago – Californien, Galerie Villa Köppe, Berlin-Grunewald

2011
„Quandtensprünge“, dorisberlin, Ausstellung und Katalog, Berlin

2008
Russisch Grün, Galerie M, Berlin

2007
Das süße Leben, Kunstverein, KunstHaus Potsdam

2006
Vis-à-vis, Schloß Wustrau

2005
Was im Herzen brennt, man am Bild erkennt, Galerie Kühn, Lilienthal/Bremen

2004
In Bausch und Wogen, Galerie Robert Keller, Berlin

2003
Tapetenwechsel, Galerie Sophienstraße 8, Berlin
Ich bin ein deutsches Mädchen…, Galerie Kühn, Berlin-Dahlem

2002
Es suchen viele…, Stuttgarter Kunstverein
Je weiter entfernt – je größer die Sehnsucht, Kulturspeicher Oldenburg

2001
Einzug der kleinen Wesen, Schering Kunstverein, Berlin

1998
Art Galerie Leuchter und Peltzer, Düsseldorf

1997
Die Französisch-Stunde: La Chasse, Galerie Michael Schultz, Dresden
Warum träumt man von roten Wendeltreppen…, Galerie Michael Schultz, Berlin

1996
La marche des petites natures, Artifice, Apt, Frankreich
Paare, Galerie Rathaus Langenhagen

1995
Kunstverein Pirmasens

1994
Unter fremden Himmeln, Galerie Huber-Nising, Frankfurt/Main
One women show, ART Frankfurt

1993
Zwischen den Welten, Art Galerie Leuchter und Peltzer, Düsseldorf
Suerte Bárbara, Galerie Manfred Giesler, Berlin
TAM TAM Afrika Zyklus, Städtisches Museum, Engen

1992
Que pasa mi infanta, Galerie Kunststück, Oldenburg

1991
Herbstblätter, Galerie Manfred Giesler, Berlin
Auktionshaus Kleinhenz, Ludwigshafen
Verlagshaus MSP, Berlin

1990
Her-zeigen – Herz-zeigen, Galerie Huber-Nising, Frankfurt/ M
Galerie Leuchter und Peltzer, Düsseldorf
Liebe und Tod, Galerie und Edition Gutsch, Berlin

1989
TAM TAM, Neuer Berliner Kunstverein
Goethe-Institut, San Francisco
Galerie Lacoste, San Jose/USA

1988
In Between, Walter Bischoff Gallery, Chicago

1987
Ausstellungsraum Mora, Berlin

1985
Galerie Leger, München
Galerie Györfi, Herrenberg
Zwischen den Monden, Galerie im Körnerpark, Berlin
Goethe-Institut, Daressalam/Tansania
Kunstverein Göttingen

1984
Studio1 im Künstlerhaus Bethanien, Berlin
Galerie Nikolaus Sonne, Berlin

1983
Galerie Fundus, Berlin

1982
Studio PS1, New York
Galerie Multiple Fahnemann, Berlin
Galerie Fundus, Berlin

1981
Galerie Andere Zeichen, Berlin
Galerie am Chamissoplatz, Berlin
Forum Aktuelle Kunst, Berlin

1979
St. Martins School of Art, London

1976
Galerie am Savignyplatz, Berlin (Mit Reinhard Pods)

Katalog

Barbara Quandt – Chicago Californien

Neue Bilder, 2012, 24 Seiten

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