Janes Haid-Schmallenberg

Janes Haid-Schmallenberg

Elf Sekunden, das sind etwa drei Atemzüge, verbringt ein durchschnittlicher Betrachter angeblich vor einem Kunstwerk. Um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu vergrößern, muss ein Ausstellungsexponat eine stärkere Wirkkraft entfalten. Wie dies gelingt, zeigen Janes Haid-Schmallenbergs Figurenbilder, meist großformatig und in Öl ausgeführt.

Sie wirken durch ihre subjektive, mehrdeutige, bisweilen rätselhafte und assoziative Aussagekraft, hervorgerufen durch Thematik, Motivwahl und manchmal sogar durch die Titelgebung. Es ist vor allem die vielschichtige allegorische Welt des Märchens, die Janes Haid-Schmallenbergs eigentliche Hin- beziehungsweise Rückwendung zur figurativen Darstellung im letzten Jahr motivierte, und die für ihn zu einem reichhaltigen Inspirationspool geworden ist. „Symbolismus – ick hör dir trapsen …“, könnte in diesem Zusammenhang geschlussfolgert werden. Doch auf konkrete Märchenallegorien oder Metaphern lassen sich seine Bilder nicht reduzieren. Sie illustrieren keine Geschichten. Genau genommen ist es überhaupt nicht die Intention Janes Haid-Schmallenbergs, klare inhaltliche Aussagen zu treffen. Kurzum: der junge Künstler, 1988 in Warstein geboren, Meisterschüler von Professor Siegfried Anzinger an der Kunstakademie Düsseldorf und jetzt durch die Berliner Galerie Villa Köppe vertreten, zeigt sich auf inhaltlicher Ebene herrlich unambitioniert.

In seinen Bildern agiert Janes Haid-Schmallenberg daher auch weniger als Deuter, Seher oder Verkünder. Er selbst versteht sich vorrangig als eine Art Dramaturg und Strippenzieher, der ein reichhaltiges Inventar aus bekannten und unbekannten Figuren und Gegenständen überaus gekonnt in Szene setzt. Und hier überzeugt er: Durch balanciertes Vor- und Zurücksetzen, durch bizarre Verschachtelungen, durch ungewöhnliche Positionierungen und ineinanderfließende Übergänge entsteht ein einmalig komplexes Spannungsgefüge, das seinesgleichen sucht.

Seine Bilder wirken durch eine interessante Formsprache, die eine bewusste Auseinandersetzung mit verschiedenen Traditionen der figurativen Kunst erkennen lässt. Auf formaler Ebene werden phantastisch-surreale Aspekte der Märchenwelt oder auch grotesk-hoffmaneske Elemente adäquat umgesetzt – verbildlicht: Figurative und abstrakte Elemente erleben ihre groteske Vermischung, überdimensionierte und überlängte Figuren, meist stilisiert, erscheinen in irrealen Raumbeziehungen, naturalistisch verstandene Details münden in ornamental gestaltete Flächen, manchmal hart begrenzt und durch kurvige Linien lebendig rhythmisiert. Ein schönes Beispiel: die auffallend vielen Bäume aus den scheinbar dunklen Tiefen des Märchenwaldes. Selten sind sie nur dekoratives Beiwerk, meist drängen sie sich spannungsgeladen in den Vordergrund, winden sich fast bedrohlich über die Bildfläche, beginnen ein bizarres Eigenleben.

Diese Bilder wirken durch eine suggestive Farbgebung, die ihre Kraft aus einer glühenden, düster-dunklen, mit viel mythischem Blau angereicherten und bleichen Farbpalette saugt. Das Ganze ist dabei meist kontrastiv angelegt.

Janes Haid-Schmallenbergs Bilder wirken vielleicht oder gerade deshalb so stark, weil das Eigentliche bei ihnen nicht im vordergründigen Inhalt zu suchen, sondern im formalen Dazwischen zu finden ist.

Dr. Heike Welzel-Philipp, Kunsthistorikerin

Biografie

Vita

1988
Geboren in Warstein

2005 – 2013
Kunstakademie Düsseldorf bei Prof Siegfried Anzinger.

2009
Meisterschüler von Prof. Siegfried Anzinger

Lebt und arbeitet in Berlin

Ausstellungen

(G) Gruppenausstellung    (E) Einzelausstellung

2013
„Fisch und Fröhlich“ Galerie Villa Köppe, Berlin (E)
„100 Jahre Amerika“ Warum?-Verlag, Berlin (G)

2012
German Kleinformat Vol. 3, Neter Calle 6, México D.F.
New kids on the block, Neu-West Berlin, Berlin, (G)
Show of the week, Freies Museum, Berlin, (G)
German Kleinformat, Räume Pilot Projekt für Kunst e.V.

2011
Die böse Laune der guten Miene, Essential Existence Gallery, Leipzig (G)
Lupi, Jagla Ausstellungsraum, Köln (G)
Bahnhof Anzinger, Galerie Geuer und Breckner, Berlin, (G)

2010
Und immer fehlt mir etwas und das quält mich, Kunstgruppe, Köln, (G)
Von mir aus, Kunstgruppe, Köln, (G)
Muss ja auch nicht sein, Raum Kalk, Köln (G)
Müssen, Können, Wollen, Intervall, Köln (G)
Sie haben gerade erst angefangen, Oktoberbar, Düsseldorf, (G)
Sonderschicht, Kunstverein Oberhausen, Oberhausen, (G)

2009
Sonderausstellung, Garage Gereonswall, Berlin, (G)
Sigi, Lichthof, Köln, (G)

2008
Das Zeitung, Acker 5, Düsseldorf

2007
Und immer fehlt mir etwas, und das quält mich, Werkstatt Graz  (G)

2006
Über Frauen, Citadellstr, Düsseldorf (G)

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Osterpause / Easter closing

Liebe Freunde der Galerie, über die Osterfeiertage (14.04.-17.04.2017) bleibt die Galerie geschlossen. Wir wünschen frohe Ostern und freuen uns, Sie ab dem 18.04.2017 begrüßen zu können.

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The gallery is closed for the Easter holidays  (14.04.-17.04.2017).  We are looking forward to seeing you from the 18th April and wish you a happy Easter!