Thomas Ritz

Thomas Ritz

Thomas Ritz – Der flüchtige Horizont

Thomas Ritz führt viele seiner Werke mit ungebundenen, lediglich in Wasser gelösten, Pigmenten aus, die er, sobald eine Schicht zu seiner Zufriedenheit aufgetragen ist, mit Acrylharz fixiert. Das Gemälde wird so Schicht um Schicht aufgebaut. Daneben arbeitet er auch mit Ölfarben, vor allem bei den kleineren Formaten. Der Bildgrund spielt ebenfalls eine Rolle, im Kabinett werden Sie Werke auf diversen Untergründen wie Leinwand, Papier, Holz oder Aluminium vorfinden. Die malerischen Oberflächen entfalten eine eigene, sinnliche Wirkung.

Thomas Ritz beschäftigt sich in seinen Werken mit grundlegenden Fragen des Bildes und der Bildlichkeit. Ausgehend von Erinnerungen, eigenen Fotografien oder Bildmaterial aus den Medien entstehen Kompositionen, die im Malprozess ein Eigenleben entwickeln dürfen. Der Künstler lässt sich auch einmal von einem Bild überraschen. Gleichzeitig arbeitet er sehr überlegt mit und gegen die Grenzen des Bildraums, er schafft multiple Zonen, Horizonte und Ränder, die sich sowohl ergänzen als auch einander widersprechen können. Er schafft Leerstellen und Löcher, Brüche und Täuschungen. Das macht die Seh-Erfahrung bei der Betrachtung eines Werkes von Thomas Ritz zum Erlebnis. Der Betrachter ist gefragt, das Bild aktiv zu sehen und sich auf die verschiedenen Schichten und Ebenen einzulassen.

Das wahre Leben, seien es Erinnerungen an eine freie Kindheit in der Natur rund um Basel oder die Abbildung eines Unterwasser- Atombombentests der US-Amerikaner in den 1950er Jahren, wird in Bilder übersetzt, die Realismus und Figuration suggerieren jedoch gleichzeitig als Illusion und Lüge entlarvt werden. Thomas Ritz spricht sogar von der „Gefährlichkeit der Bilder“.

Der Mensch tritt in der Bildwelt von Thomas Ritz eher fragmentarisch auf, wir stoßen auf Hände, Körper, Gesichter, Knie, Haut. Man kann sich nicht nur in die Bilder mit den Augen hineinsehen sondern auch mit dem betrachtenden Körper hineinfühlen. Vorhänge und andere Stofflichkeiten betonen ebenfalls diese taktilen Qualitäten, wobei der Vorhang auch ein althergebrachtes Motiv aus der Malerei ist: Das Verhüllen und Zeigen, das Verbergen und Sehen. Das Sehen selbst wird ebenfalls thematisiert, ob es das Sehen des Betrachters ist oder ob es die Blicke des Tieres des Werkes „Echo“ sind, die uns entgegenschauen.

In der Mitte des Raumes befinden sich in einer Installation eine Serie von Fotografien von Thomas Ritz. Diese Aufnahmen sind allesamt im Atelier entstanden. Sie wurden nicht digital bearbeitet oder verändert, die verfremdenden Effekte und Überblendungen entstanden direkt beim Auslösen durch Eingriffe des Künstlers. Wir sehen Details aus dem Atelieralltag, wie den Becher mit schwarzer Farbe oder die Schuhe des Künstlers, wir sehen aber auch Details aus den eigenen Gemälden oder Szenen, die wie Außenaufnahmen wirken. Auch hier ist vieles anders, als es auf den ersten Blick scheint. Die Verschiebung des Fokus und das Fokussieren des einen oder anderen Details, das dadurch eine neue Bedeutung bekommt, sind Elemente, die uns auch in den Gemälden von Thomas Ritz begegnen.

Anna Wesle, Kuratorin Museum Franz Gertsch 

Biografie

Vita

1966
Geboren in Basel / Schweiz

1982–1987
Studium: Schule für Gestaltung Basel

Auszeichnungen

2017
KWS Kunstpreis

2001
ARK Basler Kunstpreis

1995
Förderpreis der Rheinischen Wirtschaft

Ausstellungen

Einzelausstellungen (Auswahl)

2015
Im Schatten der Schwerkraft, John Schmid Galerie Basel

2014
Der flüchtige Horizont, Franz Gertsch Museum, Kabinett

2013
Der Doppelte Blick, Markgräfler Museum Müllheim

2009
other moments, mitart gallery Basel

2008
Galerie Uecker & Uecker Basel

2006
Galleria Graziosa Giger Leuk-Stadt

2002
Galleria Graziosa Giger Leuk-Stadt

2000
Fabian & Claude Walter Galerie

1995
Fabian & Claude Walter Galerie

1992
Fabian & Claude Walter Galerie

1990
ARK Ausstellungsraum Klingenthal Basel

1989
Verschwinden, Fabian & Claude Walter Galerie

 Gruppenausstellung (Auswahl)

2013
en passant, Dock: Artists‘ Window

2011
blue apricots, mitart gallery, Basel
Regionale 12, Projektraum M54, Basel
Museum Burghof, Lörrach

2008
Bildorte, Kunstfelden 2: Rauminstallation
Kunst Zürich 08
Städtische Galerie Stapfelhaus Weil am Rhein

2007
Musée des Beaux-Arts Villa Steinbach Mulhouse
Kunstrapport, Cheddite-Halle, Lausen

2006
Projektraum M54 Basel, 2006

2005
ARK Ausstellungsraum Klingenthal Basel

2004
Mühldorfer Kunstausstellung München

2004
ARK Ausstellungsraum Klingenthal Basel

2003
ARK Ausstellungsraum Klingenthal Basel

2000
Splendid Isolation, Projektraum M54 Basel

2000
Gundeldinger Ausstellungsraum Basel

1999
Von Malerei bis Multimedia, Haus der Kunst München

1998
Galerie Hafner St. Gallen

1987
Galerie Gisèle Linder Basel

1986
Fabian & Claude Walter Galerie

Publikationen

2013
Thomas Ritz: Der doppelte Blick

2000
Bilder aus der Zeit, Katalog

1995
Arbeiten 92–95, Ausstellungskatalog

1990
Parabeln der alltäglichen Beschädigung

1989
Verschwinden

1988
Mit sich selbst verlängert

1987
Am dünnen Horizont
Schattenerbe

1986
Die Stadt

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