Newsticker #4

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Quiet Riot - 2012, 220 x 180 cm, Öl / Lw

Berlin-Grunewald, 21. November 2016

Becker Schmitz – Die Farbe Schwarz als emotionales Stilmittel

Liebe Freunde der Galerie!

Aus der Ausstellung „Die Schwärze der Nacht“ möchten wir euch heute eine weitere ganz charakteristische Arbeit vorstellen: „Quiet Riot“ von Becker Schmitz aus dem Jahr 2015.In den Nachtlandschaften von Becker Schmitz herrscht oft eine rätselhafte Atmosphäre von Melancholie und Verlassenheit vor. Zur Bildgruppe der Nachtlandschaften gehört auch das Bild „Quiet Riot“. In diesem Bild aus dem Jahr 2015 geben schmale Durchsichten zwischen einer Gruppe geisterhaft aus dem Wasser ragender Bäumen den Blick frei auf eine menschenleere Nachtlandschaft.

Der Eindruck des magischen und fantastischen verstärken zahlreiche Effekte im Bild, etwa die von einem indirekten Licht smaragdgrün erleuchteten Baumstümpfe oder die geheimnisvoll strahlenden Lichtpunkte und energetische Lichtlinien im Bild. Die Atmosphäre ist so dunkel, dass Himmel und Wasser ohne jede Trennlinie  ineinander übergehen. Die Raumerstreckung der Wasserfläche erscheint grenzenlos, so als habe eine gewaltige Flut alles Land überspült.

Der Gedanke, eine Naturkatastrophe könnte passiert sein, drängt sich auf. Aus dem diffusen Dunkel der Nacht und den Wassermassen ragt in einiger Entfernung einzig ein karges Felseiland aus der Flut, dessen Umrisse im Schwarz der Nacht fast verschwimmen. Dieser Ort – ein Küstenstreifen vielleicht – wirkt schroff, abgeschieden und unbewohnt. Er wirkt fremdartig, unwirklich und unheimlich. Und doch muss dieser Ort dem Betrachter vorkommen wie ein rettender Zufluchtsort. Es scheint doch der einzige Weg, der gewaltigen Flut zu entrinnen.

Haben wir eine Sintflut-Szene mit biblischen Anspielungen vor uns? Will uns Becker Schmitz mit diesem Bild an die Ursprünge einer verlorenen Zeit erinnern? Geht es hier um die Verbundenheit des Menschen mit der Natur, dem Wasser und dem Universum als existentielle Lebenselemente? Um eine biblische Anspielung? Um eine Neubesinnung, einen Neuanfang?

Nichts an diesem Bild ist eindeutig, nicht einmal der Landschaftsbezug. Fraglos ließe sich Becker Schmitz‘ Bild sogar als abstraktes Werk interpretieren. Aber auch die Landschaft als Rückzugs- und Ruheraum, als Sehnsucht nach intensiver Verbundenheit mit der Natur oder sogar als Flucht in die Natur. Becker Schmitz‘ Bilder sind Ausdruck eines Welt- und Bewusstseinszustandes. Seine Bildsujets und -metaphern sind (auch)ein Ausdruck für die Unsicherheit, für die Zweifel und Ängste und für die Bedrohung des Menschen in einer von Krisen und gesellschaftlichen Verwerfungen geschüttelten Epoche und für die Entfremdung der heutigen Gesellschaft in Bezug zur Natur. Der Farbe Schwarz kommt hier als Stilmittel eine besondere emotionale Bedeutung zu. [archi]


Bodo Rott - Werkweise Wand, 160 x 130 cm, 2016, Öl /Lw

Berlin-Grunewald, 20. November 2016

Bodo Rott  – Die Farbe Schwarz als vielschichtiges Symbol

Liebe Freunde der Galerie!

Von Beginn an spielt die Farbe Schwarz in der Kunst eine bedeutende Rolle. Als ein vielschichtiges Symbol ist sie auch ein tragendes Element in den Gemälden von Bodo Rott. Aus der Ausstellung „Die Schwärze der Nacht“ möchten wir euch heute eine für Bodos Malkonzept ganz charakteristische Arbeit vorstellen, „Werkweise Wand“ aus dem Jahr 2013.Den Wiedererkennungswert seiner Bilder schöpft Bodo Rott zum einen aus einer Stilistik, die Realismus und Abstraktion kombiniert und zum anderen aus seinen ebenso rätselhaften wie abgründigen Figurenbildern mit ihren aus Kindheitstagen vertrauten Gestalten.

„Werkweise Wand“ ist ein symbolisch stark aufgeladenes Bild. Die Körper zweier Mädchen, die Augen geschlossen, schweben losgelöst von irdischer Schwere vor einem dunklen entmaterialisierten Raum, losgelöst von irdischer Schwere. In unverkennbarer Distanz zu dem sie umgebenen Raum wirken die Körper entrückt. Ihre körperliche Präsenz steht im suggestiven Kontrast zu dem schwarzen monochromen Hintergrund. Das eine Mädchen ist unbekleidet. Auf ihrem Körper sind Zeichen zu erkennen, ornamentale Motive aus der Pflanzen- und Tierwelt beispielsweise. Solche Einschreibungen in Körpern treffen wir in Bodo Rotts Werk immer wieder an.

Die beiden Körper schweben im entmaterialisierten Raum mit geschlossenen Augen. Meditieren sie? Sind sie in Hypnose versetzt oder in die Sphären des Traumes? Ihr Geheimnis geben Bodo Rotts Bilder selten preis.

Die schwebenden Körper erinnern jedenfalls an schwebende Figuren, wie wir sie aus der alten Kunst kennen – aus Heiligenbildern von Nicolas Poussin oder von Giovanni Battista Tiepolo beispielsweise.

Körper und Raum stehen in einem spannungsvollen Verhältnis. In diesem Gemälde kombiniert Bodo Rott das Bekannte mit dem Unbekannten. Er thematisiert die nach innen gewandt Seite des Menschen aber auch die Ungewissheiten denen der Mensch in seinem Leben ausgesetzt ist.

Wohl am augenfälligsten an diesem Bild ist die bedrückende Dunkelheit und Leere, der die beiden Mädchen ausgesetzt sind. Die Farbe Schwarz ist für diese Leere und die mit ihr verbundene Ortlosigkeit geradezu ein Symbol. Und in der christlichen Symbolik bedeutet Schwarz Trauer. [archi]

 



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