Rings Skulpturen sind essenziell aufgeladen. Sie wirken fragil und fragend, so als hätten sie das mit Leid, Gewalt und Tod verbundene Sein vielfach erlitten. Aus ihrer Ambivalenz von Imagination und freier Schöpfung sowie ihren Bezügen zur Ethnologie und Kulturgeschichte gewinnen Susanne Rings Kreationen ihre Faszination.
In Susanne Rings Umgang mit dem Werkstoff Ton spielt das Experimentelle eine erhebliche Rolle. Der komplexe Herstellungsprozess ihrer Figurationen – von der Idee über die Gestaltung bis zum Brennprozess sowie der Inszenierung im Präsentationsraum – lässt auch Raum für das Spielerische. Oft sind Susanne Rings Kreationen mit Accessoires, etwa Stühlen, Schränken, Tischen oder Podesten kombiniert. So entstehen oft ganze Szenarien. Darüber hinaus kommt auch Holz, Porzellan, Stein oder Glas zur Anwendung.
Der Bezug zu archaischen oder völkerkundlichen Artefakten, wie den afrikanischen oder ozeanischen Kultmasken und Fetischen, liegt auf der Hand. Doch die Quellen der Künstlerin sind vielgestaltiger, ihre Themen weitgefasst. Faktoren, die bei der Umsetzung einer Idee von Bedeutung sind, können ebenso mit Märchen und Mythen wie auch mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Themen zusammenhängen.
In der medialen Rezeption sind Susanne Rings Objekte oft als „fremd und rätselhaft“ beschrieben worden. Doch unverkennbar ist, dass ihre Schöpfungen den Dialog zum Gegenüber suchen. „Besonders durch das Frontale haftet den Figuren etwas Unmittelbares an – so als hätten sie etwas mitzuteilen, ihre eigene Geschichte vielleicht“, schrieb die Kunsthistorikerin Jacqueline Maltzahn-Reding. Überhaupt: dem Eindruck, in vielen Kreationen der Künstlerin sei Zeit eingeschrieben, wird sich der Betrachter ihrer Arbeiten kaum erwehren können.
Dem Betrachter vermitteln sie ein Selbstbild. Sie lassen sich als Stellvertreterfiguren ausmachen, die uns selbst und das Rätsel unseres Daseins spiegeln. Und oft tut sich der Eindruck auf, als wollten uns diese zeitlosen Kreaturen einen Einblick vermitteln in die tiefsten Schichten der menschlichen Seele und unseres Daseins.
André Lindhorst, 2021
1966
geboren in Mainz
1989-96
Studium der bildenden Kunst an der Hochschule der Künste Berlin (seit 2001 Universität der Künste) bei Prof. Dieter Appelt, Prof. Christiane Möbus
Meisterschülerin der UdK, Berlin
2009-18
Gründungsmitglied des Projektraumes Axel Obiger, Berlin
2014
Abschluss MA. Kunsttherapie, Kunsthochschule Berlin Weissensee
2019
Künstlerische Konzeption und Vermittlung im www.Schoeler.Berlin
Lehre
2018
Professur für Kunst und Ästhetik in sozialen und pädagogischen Handlungsfeldern, Schwerpunkt: Bildende Kunst, Fachhochschule Bielefeld
2017-18
akademische Mitarbeiterin Bereich Lehramt Primarstufe/Kunst, Universität Potsdam
09-15
Lehraufträge: Universität der Künste Berlin, Kunsthochschule Burg Giebichenstein
Halle, Kunstuniversität Linz, Universität Potsdam
09-11
Vertretungsprofessur für Keramik, Hochschule für Bildende Künste Dresden
03-09
Bauhaus-Universität Weimar, Künstlerische Mitarbeiterin der Fakultät Gestaltung,
künstlerische Leitung im Studiengang Kunst Lehramt
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